Stecker gießen

Kaufprämie für Elektroautos: Gießkannen-Prinzip reloaded? 1


Nach SPIEGEL-Informationen, so berichtet das Magazin @SPIEGELONLINE, haben sich wohl die Bundesministerien über ein Förderprogramm von Elektroautos geeinigt.

Demnach sollen private Käufer zu Beginn 5.000 Euro Prämie erhalten, gewerbliche Käufer 3.000 Euro. Mit einer jährlichen Degression von 500 Euro soll das Programm bis 31.12.2020 laufen.

Laut Auskunft des Magazins sollen davon 40% der Prämien durch die Hersteller getragen werden, der Rest wird vom Staat beigesteuert. Ferner sollen Fördergelder in die Batterieforschung fließen (Anmerkung: Das hatten wir schon. Und in der Konsequenz wurden deutsche Batteriefabrikstandorte wieder geschlossen).

Auf der Infrastrukturseite soll der Ausbau von 15.000 Ladestationen entstehen.

Eine solche Förderung nach dem Gießkannen-Prinzip ergibt meines Erachtens wenig Sinn.

Unmittelbare Kaufprämie:

Wie SPIEGEL zurecht darauf hinweist, werden PlugIn-Hybride (Fahrzeuge mit einem Tandem aus konventionellem Verbrennungsmotor und unterstützendem Elektromotor) und reine Elektroautos gleichermaßen gefördert.

Ein Beispiel: Ein Porsche Panamera E-Hybrid mit einem Listenpreis von rund 105.000 Euro und einer elektrischen Reichweite < 40km erhält die gleiche Förderung wie ein Nissan Leaf  mit einem Listenpreis von rund 34.000 Euro und einer elektrischen Reichweite < 250km!

Wo liegt denn da bitte die Verhältnismäßigkeit? Steht da wirklich der Umweltgedanke im Vordergrund? Offensichtlich nicht!

Infrastruktur Ladestationen:

15.000 Ladestationen gehören konkretisiert. 1. Eine Ladestation muss mindestens 4-6 parallel betreibbare Ladepunkte haben. Da die Zielgröße 1 Mio Elektrofahrzeuge ausgegeben wurde, wären 15.000 Ladepunkte eindeutig zu wenig, denn dies würde bedeuten, dass im Zielzustand zu einem Ladepunkt 67 Elektrofahrzeuge (1.000.000/15.000) Zugang benötigen würden.

 

Zu weiteren Details ist derzeit noch nichts bekannt.

Anpassungsvorschläge zur derzeit geführten Diskussion:

Zur unmittelbaren Kaufprämie:

Eine Degression der Kaufprämie führt noch eher zu einem „Mitnahmeeffekt“, wie ihn Herr Schäuble, Vertreter der Wirtschaft und Interessenverbände befürchten. Das heißt, schnell die Förderung „mitnehmen“ und nach fünf Jahren wieder Verbrenner fahren. das ergibt keinen Sinn!

Undifferenzierte Kaufprämie:

FörderungMeines Erachtens sollte hier zwischen PlugIn Hybridfahrzeugen und reinen Elektrofahrzeugen unterschieden werden. Auch sollte der Förderungsbetrag sich am Fahrzeuganschaffungspreis und dem tatsächlichem Antriebskonzept orientieren. Hierzu möchte ich einen Vergleich des VW Golf anführen, da sich dieser aufgrund unterschiedlicher Antriebe am Besten vergleichen lässt. Ferner habe ich auch das „Extrembeispiel“ zwischen dem Porsche und dem Nissan angeführt. Sinn und Zweck ist es doch, die Elektromobilität voranzubringen; nicht allem querbeet, mit dem Gießkannen-Prinzip Fördergelder nachzuwerfen.

 

Infrastruktur:

Um Verteilungskämpfen vorzubeugen, dem Förderzweck, nämlich den tatsächlich umweltfreundlichen Antrieb zu fördern nachzukommen, müssen die Ladestationen insgesamt 60.000-90.000 Ladepunkte (also Steckplätze) zum parallelen Betrieb vorweisen. Warum? Erstens, wenn ein PlugIn Hybrid geladen wird, der aber nicht zwangsläufig auf den Ladepunkt angewiesen ist, würde den Zugang einem BEV verwehren, welches aber den Zugang unbedingt benötigt. Zweitens, wenn das PlugIn Fahrzeug zwar auch ohne externe Aufladung fahren kann, die Ladesäule aber durch BEV und andere PHEV belegt ist, wird benzingetrieben weitergefahren. Damit wird der Umweltaspekt eines PlugIn Hybriden noch stärker ad absurdum gestellt. Denn es werden mit den PHEV zwar Fördergelder einkassiert, aber es wird weiter mit Benzin gefahren.

Es bleibt noch Vieles zu überdenken und zu konkretisieren. Dazu zählt auch, dass das Laden am Arbeitsplatz steuerrechtlich und im Sinne einer Vereinfachung bzgl. des „Pseudo-Energielieferantenstatuses“ durch den Arbeitgeber vereinfacht wird. Ferner sind eindeutige Regelungen im Bau- und Wohnwirtschaftsrecht zu überarbeiten. Denkbar wären auch besondere Fahrstromangebote; die es noch attraktiver machen, das Fahrzeug auch in den Nachtstunden bei entspannter Netzlage aufzuladen. Es gibt viele Ansätze, die verfolgt werden könnten. Aber man muss es einfach wollen. Politisch. Wirtschaftlich. Ideologisch.


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