Nichts ist so beständig, wie der Wandel. Mein Jahresrückblick 2017


Nichts ist so beständig, wie der Wandel.

Dieser bis heute gültige Spruch des Heraklit von Ephesus (etwa 540 – 480 v. Chr.) hat auch für mein Elektronauten-Dasein aktuellere Bedeutung denn je.

Während sich in den Vereinigten Staaten von Amerika der neu gewählte US-Präsident Donald Trump in sein neues Amt mit Pauken und Trompeten reinzwängt, vergleichbar mit einem weltpolitischen und ökologischen Elefanten im Porzellanladen, und Deutschland unter einer auslaufenden großen Koalition in Lethargie verharrt, veränderte sich dafür mein persönlicher, elektronautischer Mikrokosmos Zunehmens.

Vorstellung des AMPERA-e bei Opel, Rüsselsheim

Nach akribischer Vorbereitung meinerseits mit Opel, durften gut 30 Opel Ampera-Besitzer auf Einladung des Opel-Managements im März des Jahres einer exklusiven Vorstellung des Opel AMPERA-e beiwohnen. Total angefixt von der Vision, eines Tages rein elektrisch mit einem bezahlbaren Vollzeitstromer unterwegs sein zu können, ließ mich dieser Gedanke nicht mehr los. Was dazu führte, dass ich den allseits beschworenen Hyundai IONIQ electric ebenso unter die Lupe nahm. Allerdings überzeugte mich der Koreaner im direkten Vergleich mit dem AMPERA-e nicht vollends. Die bereits vage angedeuteten Aussagen der Opel-Männer, wann, ob und zu welchen Konditionen denn nun der Vollzeitstromer kommen würde, sollten sich dann zunächst nicht bestätigen. Die Betonung liegt auf zunächst! Denn hier sollte ich später eines Besseren belehrt werden…

Hyundai IONIQ electric im QuickCheck

Hyundai IONIQ electric im QuickCheck

Währenddessen schlummerte meine Reservierung des Tesla Model 3 seit 31.03.2016 fröhlich vor sich hin, die Schlagzeilen um weitere Produktionsverzögerungen des mit Sehnsucht erwarteten Mittelklasse-Stromers nehmen nicht ab. Mein inneres Verlangen, doch nun baldmöglichst rein elektrisch unterwegs sein zu können, reisst nicht ab. Was mich dazu brachte, einen weiteren, angekündigten Stromer vorzubestellen: Den neuen Nissan Leaf. Dieser aber entsprach dann doch nicht meinen Vorstellungen eines Quantensprungs, mit einer mässig überarbeiteten Batteriekapazität (brutto ca. 40 kWh) und einer in mittlerer Zukunft in Aussicht gestellten größeren Version mit rund 60 kWh Kapazität, leider allerdings erst irgendwann in 2019.

Im August/September begleitete uns dann der Ampera (man könnte schon fast sagen „wie gewohnt“) auf unserem Jahresurlaub durch Europa. Letztes Jahr noch durch Frankreich, Spanien und Andorra, sollte es dieses Jahr durch die Schweiz und Italien etwa 3.600 km gehen.

https://twitter.com/Elektroflitzer/status/903277364611833857

Was die Ladeinfrastruktur in Italien anbelangt, ist der Ampera mit Reichweitenverlängerer nach wie vor die beste Wahl, wenn nicht ein Tesla.

Teilnahme an der 5. eRuda 2017

Relativ bald darauf sollte mich also das überzeugte Elektroautofahrer-Dasein zur 5. eRuda 2017 an den Ammersee führen. Es war einfach eine Wohltat, sich mit vielen Gleichgesinnten gemeinsam auszutauschen, Challenges zu absolvieren.

Gruppenfoto Opel-Ampera-Forum.de, Teilnehmer 5. eRuda 2017 in Fürstenfeldbruck

Gruppenfoto Opel-Ampera-Forum.de, Teilnehmer 5. eRuda 2017 in Fürstenfeldbruck

Allerdings finde ich mit Ausblick auf die 6. eRuda in 2018 die Lage des Fahrerlagers ziemlich unpassend. Da ich aus verschiedenen Gründen nicht gleich zwei Nächte hintereinander im Auto kampieren will und Übernachtungsmöglichkeiten nur im Umland zu finden sind, würde es dieses Mal für mich bedeuten, jeden Abend den Ladeplatz verlassen zu müssen. In diesem Jahr fand ich das leider etwas zu stressig. Daher werde ich wohl nicht teilnehmen.

Nichts ist so beständig, wie der Wandel.

Unter diesem Leitsatz sollte dann das Verlangen, dem Verbrennerherz im Ampera lebe wohl sagen zu müssen, eine steile Kehrtwende nehmen. Ende Oktober sollte ich also eine, für den einen oder anderen auch als Kurzschluss bezeichnete Entscheidung treffen. Und der Wandel trat schneller ein, als vermutet: Der neue Opel AMPERA-e zieht bei mir ein!

https://twitter.com/Elektroflitzer/status/933299624831602688

Der 22. November war für mein Elektronauten-Herz ein Tag mit Tragweite. Am selben Tag zieht der Neue ein und der „Alte“ zieht aus und kommt in gute Hände (und verbringt die restlichen Tage des Jahres soweit ich weiß, beim Skifahren in Österreich).

Wie Phönix aus der Asche? Schneller als man denkt!

Wie Phönix aus der Asche? Schneller als man denkt!

Über die Weihnachtsfeiertage und nun in Kürze zum Jahreswechsel werde ich die ersten rund 2.000 km mit dem AMPERA-e absolviert haben. Zeit für ein kurzes Zwischenfazit: Ich bereue die Entscheidung, auf den Vollstromer umgestiegen zu sein, keine Sekunde. Er passt einfach perfekt in mein Fahrprofil. Selbst im Winter, wo die Reichweiten doch spürbar geringer sind als im Sommer, habe ich derzeit Reichweiten von gut 300 km zu verzeichnen, bei Außentemperaturen zwischen 0-7 Grad und Regen, das selbst bei intensiven Fahrten auf der Autobahn mit gemütlicher Beheizung und obligatorischen Winterreifen. Grundsätzlich genügt mir im Alltagsbetrieb 1-2 mal Laden pro Woche. Die (teil-)öffentliche Ladeinfrastruktur kann ich nun endlich in vollen Zügen nutzen, die erzielten Akku-Kapazitäten durch Nachladen lohnen sich, das Fahrzeug zwischendurch anzustecken. Ich bin also sehr zuversichtlich, im nächsten Sommerhalbjahr Reichweiten von über 400 km je Batterievollladung ohne Abstriche schaffen zu können. Die Karosserieform mag zwar aerodynamisch für Autobahnschnellfahrer nicht geschaffen sein, da gibt es bessere Lösungen. Aber schnell rumbrettern und Elektroauto, das passt eh nicht so zusammen. Mit lockeren 100-120 km/h auf der Autobahn lässt es sich entspannt reisen. Und das Tolle an den 150 kW/204 PS ist, jederzeit zu wissen, dass man genügend Leistungsreserven für einen kurzen Sprint hat. Trotz der kompakten 4,17 m Fahrzeuglänge (Ampera 4,47 m), weist der Neuling wesentlich mehr Raum und vor allem fünf vollwertige Sitze in der Fahrgastzelle auf. Ein sehr flexibel nutzbarer Gepäckraum (z.B. wenn man mal mehr wie 3-4 Getränkekisten transportieren muss), lässt sich das nutzbare Volumen vervielfachen. Der als Zubehör erhältliche doppelte Laderaumboden ist seine Investition wert: das komplette Ladeequipment (diverse ein- und dreiphasige Ladekabel, Adapter, Verlängerungskabel) findet darunter unsichtbar seinen Platz. Kurz gesagt: Ich habe am Fahrzeug nichts auszusetzen! Oder umgangssprachlich: Nicht gemault, ist genug gelobt! 😉

Möge jetzt noch die Ersatzteilversorgung und das Servicenetz für den AMPERA-e auf Dauer hoffentlich gesichert sein. Aber auch da – ich stelle die „German Angst“ erstmal hinten an.

In diesem Sinne, liebe Leser, Elektronauten, Freunde und Gönner der Elektromobilität und die, die es noch werden wollen, wünsche ich Euch einen guten Jahreswechsel und ein erfolgreiches, gesundes neues Jahr 2018! Möge ein Ruck durch dieses Land gehen und zwar nicht erst, seit dem „Gott aus WOB“ gesprochen hat.

Aber auch in den Chefetagen deutscher Automobilkonzerne scheint angekommen zu sein: Nichts ist so beständig, wie der Wandel. Da muss unsere zukünftige Regierung noch einiges an progressiver Arbeit für den deutschen Michel leisten.

 

 

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