Mit dem Opel AMPERA-e ein Jahr unterwegs – eine Retrospektive.

Wo Licht ist, ist auch Schatten. So oder so ähnlich könnte man das erste Jahr, welches ich mit dem AMPERA-e erleben durfte, zusammenfassen. Ein persönlicher Rückblick.

Im November 2017 kam ich überraschend schnell zu meinem nagelneuen Opel AMPERA-e. Bis heute habe ich mit dem technisch einwandfreien Wagen gute 17.000km gesund und munter zurückgelegt, allerdings nicht immer ganz frustfrei.

Das Licht

Zunächst aber einmal zur Lichtseite/den Highlights, die mir meist die gute Laune, wenn ich in das Elektroauto meiner Wahl einsteige, nicht nehmen.

Feuer unterm Hintern – der Antrieb

Das absolute Highlight am AMPERA-e ist zweifelsohne der elektrische Antriebsstrang, die 60 kWh-umfassende große Batterie, welche im Sommer aktiv durch ein Thermalmanagement gekühlt und im Winter geheizt wird, um so die Reichweite und Leistungsfähigkeit der Batterie sicherzustellen. „Rapidgate“ des neuen Nissan Leaf ist hier kein Thema. Die 150kW/204PS zerren insbesondere im Sportmodus bei Bedarf den Wagen unnachgiebig nach vorn, so dass man den einen oder anderen Ampelstart gerne wagt und für Staunen sorgt. Das ausgeklügelte Bremssystem mit seiner Rekuperationsleistung zur Energierückgewinnung macht doppelt Freude; zum Einen, weil die Bremsenergie wieder in die Batterie zurück gespeist wird. Zum Anderen, weil dadurch die mechanische Bremsanlage nur in Notsituationen wirklich zum Einsatz kommt.

Wahre Größe kommt von innen

Die großen Stärken des Wagens setzen sich aber unbeirrt im Raumgefühl innen fort. Trotz seiner kompakten Außenmaße hat der Ampi innen verdammt viel Platz zu bieten. Fünf Sitzplätze, ohne Mitteltunnel hinten haben selbst Sitzriesen genügend Bein- und Kopffreiheit. Das Gepäckabteil mit seinen 383 Litern und dem optionalen Doppelboden und Stauraum für allerlei Kleinzeugs (bei mir für die Ladekabel und Adapter genutzt) bietet allerhand Platz für den kompletten Wocheneinkauf. Die flach umlegbaren Rücksitzlehnen sorgen für einen immensen Stauraum, so dass sogar Das Verpackungsmaterial locker von einem kompletten Schlafzimmer darin Platz findet.

Für Neugierige und Spielkinder

Die Displays des Driver Information Center „DIC“ (Tachoeinheit) und das Infotainment in der Mittelkonsole mit ihren 8 bzw. 10 Zoll Bildschirmdiagonale bieten allerhand nützliches und hilfreiche Informationen, um das Fahren möglichst effizient und gut unterhalten zu gestalten. Die Integration von Apple’s CarPlay oder auch Google’s Auto bieten hervorragend die Möglichkeit, die immer größere Auswahl an Smartphone-Apps auf dem Infotainment zu spiegeln und teilweise per SIRI (Apple) fernzusteuern.

Sich bedienen lassen? Gerne! Noch besser informiert per App!

Der integrierte, persönliche Online- und Serviceassistent in Verbindung mit dem W-LAN Hotspot machen das Reisen sehr gelassen und stets gut informiert, da sich OnStar u.a. zu Diagnosezwecken direkt auf das Fahrzeug aufschalten kann. Die Online-Verbindung des Hotspots taugte auch im Sommer in den tiefsten Fjordtälern Norwegens. Das Probeabonnement ist das erste Jahr kostenlos. Die myOpel-App im Übrigen (je nach Mobilfunkempfang) sorgt jederzeit für einen Remotezugriff auf das Fahrzeug, damit man sich über den Fahrzeugzustand informieren kann. Fernbefehle, wie Aufladen oder die Vorklimatisierung sind inkludiert.

Schatten

Sich bedienen lassen? Mit Ablaufdatum!

Wenn wir gerade bei OnStar waren… das hat aber auch einen sehr faden Beigeschmack. Die unzählige Male, die ich mit OnStar-Mitarbeitern telefoniert habe, waren für meine akustisch sehr empfindlichen Ohren schon eine Quälerei. Die Tonqualität ist alles andere als vorbildlich. Darüber hinaus hatte ich oftmals den Eindruck, mein Gegenüber versteht überhaupt nicht was ich von ihm will. Auf dem Norwegen-Roadtrip #AMPVENTURE2018 hatte ich in Dänemark krampfhaft versucht, „schnell mal“ eine bezahlbare Unterkunft  zu finden – ich hätte es nicht schlechter gekonnt. OnStar bedient sich eines herkömmlichen booking.com-Zugangs! Daher haben wir dann darauf verzichtet und haben insbesondere in Norwegen sporadisch wild gecampt oder uns auf Campingplätze begeben, die es dort wie Sand am Meer zu geben scheint. Was allerdings für mich einen sehr faden Beigeschmack hat, ist dass  OnStar ab dem 31.12.2020 nicht mehr verfügbar sein wird und bisweilen ist kein Ersatz dafür seitens Opel angekündigt. Ein Ersatz ist dann ein Ersatz, wenn dieser die Leistung auf meiner Hardware, dem Auto, ersetzt. Mag sein, dass Opel dann im Rahmen der PSA-Konzernzugehörigkeit neue Konnektivitätsdienste anbietet, aber ich habe ein neuwertiges Fahrzeug, was dann wesentlicher Merkmale entledigt wird. Das ist nicht nur schade, sondern für mich als Kunde eine Schweinerei. Denn die Hardware, das Funkmodul und die LTE-Funktion sind ja da. Es benötigt dazu eigentlich nur eine aktualisierte Firmware/Software, eine neue API zu einem anderen Mobilfunkprovider bzw. neu verhandelte Verträge.

Er kann seine amerikanischen Wurzeln nicht verleugnen…

Jetzt komme ich leider zum leidigsten Thema – der Verarbeitungsqualität. Fast hätte ich gesagt: außen hui, innen pfui. Naja, ganz so schlimm ist es nicht, aber es nervt!  Außen die typischen Verarbeitungstoleranzen amerikanischer Fahrzeuge. Also kein Opel- oder AMPERA-e-spezifisches Problem. Aber innen… Die Materialien finde ich jetzt zwar nicht der Preisklasse von 40.000 Euro angemessen, aber wie diese verarbeitet wurden, das ist schon grenzwertig.

Die anfänglich schlampig verlegten Kunststoffe im Armaturenbereich und Armauflagen der vorderen Türen sind noch schnell zurecht gerückt, wa sich da aber akustisch im Auto abspielt, ist aufgrund des fehlenden Verbrennermotorenlärms bis vor kurzem mein ständiger Begleiter. Bereits nach drei Monaten lasse ich die A-Säule nacharbeiten, das scheppert es bei jeder Bodenwelle raus. Während des Norwegen-Urlaubs kommt dann der Spiegelfuß des Rückspiegels dazu. Der bei jeder noch so kleinen Bodenwelle und dauerfrostgeplagten norwegischen Straßen seinen Kommentar abgeben muss. Auch dort ein regelmäßiges Vibrieren. Zudem kommt ein temporärer Ausfall des Spurhalte- und Verkehrsschildassistenten, da die Linse bzw. die Objektivscheibe der Frontkamera total beschlagen ist. Die Rücksitzlehne fängt ebenso das Vibrieren an. Mag zwar so sein, dass ich sehr empfindliche Ohren habe. Aber ich habe mir u.a. auch ein Elektroauto gekauft, weil ich die Ruhe darin genießen möchte und nicht damit ich mich ständig über akustische Störfaktoren aufregen muss. Meine Wahrnehmungen wurden vom Service-Mitarbeiter des Opel-Händlers validiert und im Rahmen des ersten Service-Termins (hoffentlich) jetzt ganz abgestellt.

Die vorderen Sitze scheinen irgendwo in Asien designed worden zu sein. Sehr schmal und eine kurze Sitzfläche verglichen zu meinem ersten Ampera. das ist vor allem auf längeren Strecken recht unbequem. Die Oberfläche des Fahrersitzes hat die ersten Auflösungserscheinungen: Das gelochte Leder wird porös. Der Garantienantrag bei Opel wird abgelehnt mit der lapidaren Aussage, das sei eben halt Abnutzung. Äh, wie bitte? Nach einem Jahr und 17.000 km Laufleistung und stets mit pfleglicher Kleidung besessen?! Nicht akzeptabel. Eine abschließende Fallklärung bei Opel ist noch offen. (Stand 27.11.2018).

Kurz, nach dem ich die Werkstatt nach dem ersten Servicetermin verlassen habe, fängt der elektrische Fensterheber auf der Fahrerseite an zu spinnen. Irgendwie erkennt die Steuerung einen übermäßigen Widerstand und fährt nach Verschließen auf den Einklemmschutz-Modus (schließt also nicht vollständig). Ein Anlernen des Fensterhebers bringt keine Abhilfe. Hierzu steht in Kürze schon wieder ein Werkstatttermin (Stand 28.11.2018) an.

Der Service am Kunde

Mag es daran liegen, dass der AMPERA-e das letzte GM-Legacy Fahrzeug ist oder warum muss man als Kunde um sein Recht so arg kämpfen? Das Zusammenspiel zwischen Opel-Werkstatt und Herstelle/Marke ist, gelinde gesagt, „ausbaufähig“. Ist das Fahrzeug verkauft, hält sich Opel im Aftersales sehr zurück. Das können andere Hersteller deutlich besser. Was ich mit ziemlicher Gewissheit sagen kann, dass die Werkstatt stets bemüht war, das Beste zu erzielen.

 

Ob ich mir den AMPERA-e wieder kaufen würde?

Mit dem Wissen von heute: Ja und Nein.

Ja, weil er technisch gesehen wahnsinnig Spaß macht und  immer noch seinesgleichen sucht, denn der Hyundai Kona Electric und der Kia Niro EV mit gleicher Motorisierung sowie der Nissan Leaf plus sind noch nicht vollständig auf dem Markt. Die Batterie, der Antriebsstrang (genau genommen ist es an dieser Stelle ein LG Chemical/LG Electronics Fahrzeug) überzeugen, wenn man nicht das Geld für ein Tesla Model S/X ausgeben kann/möchte und wer keine viertürige Limousine wie das Model 3 fahren will. Allerdings würde ich mich nach der Preiserhöhung 2017/2018 um satte 5.000 Euro verdammt schwer tun.

Nein, weil die Verarbeitung (ich kann nur für mein frühes Serienmodell sprechen) nicht eines >40.000 Euro teurem Fahrzeug würdig ist. Wären die Mängel nicht und der alte Preis würde noch gelten, dann ein uneingeschränktes Ja.

Vorausgesetzt, Opel/PSA arbeiten an der Altersales-Servicequalität und es gibt einen adäquaten Ersatz für das an General Motors hängende OnStar.

 


      

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